Die Nachteile der Kurzwelle - Radioham DK3JB

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Stand: 1. April 2021
Die Nachteile der kurzen Welle

Im Zeitalter des Internets sowie von GPS scheint der Kurzwellenfunk fast in Vergessenheit geraten zu sein. Auch den klassischen Schiffsfunker in seiner Funkbude, der mit der Morseraste regelmäßig Nachrichten und Positionsdaten durchgab, gibt es schon lange nicht mehr. Schon lange läufen Funkkontakte nur noch über das Internet bzw. Satelitten, und auch die Orientierung erfolgt ausschließlich über GPS. Warum das so ist, soll hier - für jedermann verständlich - erklärt werden. Rein technisch ist das schon komplizierter.


Meine Funkstation in 1985 • Links: Abstimm- und Steuergeräte • Reihe oben v. l.: YAESU-Transceiver TS-430 • Telereader • Lautsprecher • UKW SSB-Funkgerät • Reihe unten v. l.: YAESU-Transmitter FL-101 • YAESU-Receiver FR-101, Keyer für YAESU FL/FR-101 • Keyer für YAESU Receiver TS-430 • Vor FL-101: Tastatur für Telereader (Funkfernschreiben)

  1. Die Ausbreitung der kurzen Wellen ist stark abhängig von den elektrischen Ladungen in der so genannten Ionosphäre bzw. der darin eingelagerten Kennelly-Heavisideschicht, die 1902 von dem Physiker und Mathematiker Oliver Heaviside vorhergesagt, aber erst 1923 offiziell nachgewiesen wurde. Denn dort werden die von der Antenne ausgestrahlten elektromagnetischen Wellen in einer Art Zickzack-Linie reflektiert - und nur dadurch kommen überhaupt die Überbrückungen selbst großer Entfernungen (manchmal rund um die Erde) zustande. Und dies ist stark abhänig davon, inwieweit genügend Sonnenflecken vorhanden sind. Diese sind eine Art Eruptionsstürme auf der Sonne, die viel elektromagnetische Strahlung erzeugen und eben diese Schichten in der Ionosphäre elektrisch aufladen. Dieser sogenannte Sonnenflecken-Zyklus vollzieht sich alle 11 Jahre. Liegt nun gerade in dieser Periode ein Maximum vor, gibt es auch die besten Funkverbindungen. Bei einem Minimum an Sonnenflecken hingegen können auf bestimmten Frequenzen oft überhaupt keine Funkkontakte möglich sein.
    Gegenwärtig (in 2021) sieht es leider so aus, dass die meisten außereuropäischen Kontakte am effektivsten nur auf dem 20 Meter-Band geführt werden können - es scheint jedoch so langsam besser zu werden. Noch in den 80ziger Jahren war dieses Band je nach Tageszeit rappelvoll von überseeischen Stationen; gleiches traf auch auf die Bänder 15 und 10 Meter zu - heutzutage sind letztgenannte Bänder nur sehr schwach frequentiert und fast tot. Hinzu kommt, dass immer weniger Funkamateure noch aktiv sind und auch ein relativ hohes Lebensalter aufweisen.

  2. Die zu überbrückende Distanz ist stark abhänig von der jeweiligen Jahres- und Tageszeit. Während man während der Wintermonate z. B. auf dem 20 Meter Band der Funkamateure im Winter viele außereuropäische Stationen erreichen kann (sogenannter DX-Verkehr) ist dies zur Nachtzeit fast gar nicht mehr möglich. Auf den niedrigen Frequenzen, wie z. B. dem 80 Meter Band, kann es umgekehrt aussehen. Entfernungen über große Distanzen können dort eher nur während der Nachtzeiten abgewickelt werden.
    Während es für die höheren Bänder bzw. Frequenzen einfacher ist, aufgrund geringerer Abmessungen entsprechende Antennen zu bauen bzw. aufzustellen, sieht dies auf den niedrigeren Bändern, wie dem 80 Meter-Band, eher umgekehrt aus. Diese Antennen fallen - sofern sie nicht mit Sperrkreisen usw. verkürzt werden - sehr lang aus. Für das gerade erwähnte 80 Meter Band benötigt man für einen Halbwellen-Dipol eine Schenkellänge von 2 x 20 Metern also ein 40 Meter langes Gebilde, das zwischen zwei Punkten aufgehängt werden muss. Nur die wenigsten Funkamateure können diese Dimensionen unterbringen und nur dann, wenn ein eigenes Grudstück vorhanden ist bzw. man an an andere Abspannpunkte ausweichen kann (Nachbarhaus, Waldgelände, Masten außerhalb usw.) Und dafür muss dann auch die Genehmigung vorhanden sein.
    Weiterhin müssen Dipole zumindest theoretisch hoch aufgehängt werden, damit sie möglichst effizient und ohne Bodendämpfung arbeiten. Ein solcher Dipol für z. B. das 80 Meter-Band müsste bei höchster Wirksamkeit etwa 80 Meter hoch aufgehängt werden, was mit ganz seltenen Ausnahmen kaum für einen Funkamateur möglich ist. Manchmal geht eine Höhe von grade mal 10 Meter; zudem fehlen auch bei größeren Grundstücken häufig die passenden Abspannpunkte. Es gibt die abenteuerlichsten Varianten, solch eine Antenne für die längeren Amateurfunkbänder doch noch abzuspannen; doch manche dieser Antennen funktionieren reell besser, als sie es von ihrer Anbringung her dürften - die Kurzwelle findet immer einen Weg ...
    Wirkungsvolle Antennen, auch für längere Wellenbereiche,  können und konnten daher auch nur kommerzielle Sendestationen unterbringen, die sich zudem außerhalb von Wohngebieten in für Aussendungen günstiger Lage befinden und befanden. Der Funkamateur hingegen kann nicht so verfahren. Er muss seine Antenne dort aufstellen wo er wohnt - gleich ob diese Lage für die Ausstrahlung kurzer Wellen günstig ist oder auch nicht.
    Weiterhin ist und war es erforderlich, regelmäßig die benutzten Frequenzen für den jeweils gewünschten Ausbreitungsraum je nach Jahres- Monats- und Tageszeit zu wechseln. Und das konnte und kann aufwendig sein. All diese Nachteile hat das Internet nicht - zwar gibt es je nach Nutzerzugriff auch Schwankungen, doch es steht schon lange rund um die Uhr permanent zur Verfügung.

  3. Während sich der Stromverbrauch für Amateurfunk-Sender noch in Grenzen hielt (kein permanenter Betrieb) und z. B. in Deutschland maximal 750 Watt erlaubt sind (was allerdings kaum jemand kontrolliert und auch kontrollieren kann) sah dies bei kommerziellen Stationen, wie z. B. Rundfunksendern, ganz anders aus. Hier wurden Leistungen um 50 bis mehrere hundert Kilowatt gefahren, und dies erforderte nicht nur hoch- und stark dimensionierte Antennenanlagen, sondern auch großvolumige Transformatoren zum Erzeugen der hohen Anodenspannungen, die 10. 000 Volt und noch mehr betragen konnten. - Ein Beispiel: Der populäre Deutschlandfunk-Sender hatte eine Sendeleistung (auf der Mittelwelle, was riesige Anlagen erforderte) von 1000 Kilowatt!
    Das kostete natürlich Geld, wogegen das Internet total preisgünstiger ist. Heutzutage herrscht das Internet-Radio vor, über eingespielte Live-Streams kann man inzwischen mehr als 15.000 Sender empfangen, wenn die LAN- bzw. WLAN Anbindung stabil und nicht zu langsam ist. Alle namhaften Rundfunksender sind zudem über ein Netz von Zwischensendern auf der Ultrakurzwelle - UKW - zu empfangen, wozu der technische Aufwand um vielfaches geringer ist.
    Nach und nach baute man daher die Kurzwellen-Sender - insbesondere wegen der Unwirtschaftlichkeit und des hohen Energieverbrauches - ab. Zum Leidwesen allerdings der vielen Kurzwellen-Fans, darunter die Funkamateure, die das Kurzwellen-Hobby aus enthuastischen Gründen weiterhin pflegen und experimentieren - nicht zuletzt auch, weil diese Technologie hoch interessant ist und man sehr viel dabei lernen kann.
(wird fortgesetzt)
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