Digitale Krücke in der UKW-Funktechnik - Radioham DK3JB

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Stand: 20.01.2019
Ruf ins Weltall - ohne Widerhall: Echolink
Eine digitale Krücke: Echolink
Echolink ist eine Betriebsart im digitalen UKW-Amateurfunk, die nur von ganz wenigen Funkamateuren genutzt wird. Warum wohl? Betrachten wir vorab ohne übermäßiges Fachchinesisch, was diese Betriebsart ist und wie sie im Prinzip funktioniert.

Echolink wird über die herkömmlichen FM-Amateurfunkrelais geführt, soweit diese dafür eingerichtet sind (das sind beileibe nicht alle). Man geht auf die betreffende Relaisfrequenz, auf der allerdings grade kein Gespräch zwischen anderen Amateuren stattfinden sollte. Das wäre schon mal das erste Kriterium dieser Betriebsart. Zum zweiten muss man die so genannte „Node-Nummer" des fernen Relais, das sich z. B. in einem anderen deutschen Bundesland, einem Nachbarstaat oder auch in Neuseeland befinden kann, kennen. Dazu gibt es Listen, die man erst mal durcharbeiten muss. Zwar ist es möglich, diese Nummern auch in dem verwendeten Funkgerät zu speichern, doch leider ist dies bei den derzeitigen Geräten nicht besonders komfortabel und Stand der Technik. In der Regel kann man nicht mehr als 10 dieser Node-Nummern abspeichern (das ist viel zu wenig) und muss diese noch von 1 bis 10 nummerieren; sich also aufschreiben bzw. auswendig lernen, welche Ziffer welcher Node-Nummer zugeordnet ist. Da hilft nur ein Zettel, den man am Gerät liegen oder stecken hat. Leider ist es auch nicht möglich, den Node-Nummern das entsprechende Relais zuzuordnen. indem man einfach den alphanumerischen Namen (z. B. Patscherkofel) einträgt. Vom Prinzip her betrachtet ist hier die Technik noch auf einem Stand von vor etwa 30 Jahren. Zudem muss man vorab im Setup einstellen, ob man die Node-Nummer (als Tonfrequenzfolge) über die zugeordnete Kennziffer ablaufen lassen oder lieber manuell eintippen will. Eigentlich ein unmöglicher Zustand! Wie geht es dann weiter?
Man drückt die PTT-Taste des Handfunkgerätes (oder die PTT-Taste des Mikrophon vom Transceiver) hält sie fest (sehr wichtig!) und tippt dann die entsprechende Node-Nummer ein bzw. lässt sie durch die zugeordnete Kennziffer ablaufen. Ein Beispiel: Über die Node-Nummer 301572 erreicht man das hochgelegene Relais DB0WV auf dem „Höchsten" in Nähe des Bodensees - auch „Wasservogel" genannt. Ist die Nummer komplett eingetippt oder durchgelaufen (man hört das an der melodischen Tonfolge), lässt man die PTT-Taste wieder los und geht somit auf Empfang. Wenn man Glück hat (das ist wieder ein weiteres Kriterium) ist die englische Ansage „connected to DB0WV Repeater" zu hören oder auch in Deutsch: „Die Verbindung wurde hergestellt"; dann folgt ein „da-dit-dah"; das stammt aus dem Telegrafie-Code und ist ein Strich-Punkt-Strich - . - was ein „k" - bitte kommen - bedeutet. Was ist nun im Äther passiert? Das Signal wird mittels des Relais, über das man sendet, im Internet zur Gegenstelle - also dem gewünschten fernen Relais - übertragen. Das Internet dient also gewissermaßen als Pufferstrecke. So die kurze, laienhafte Erklärung, rein technisch ist das etwas komplizierter.
Soweit so gut, die Verbindung wäre hergestellt, was aber nur gelegentlich funktioniert - wieder ein Kriterium. Meist ist das nämlich nicht der Fall, dann nämlich kommt die nette Ansage z. B. „301572 not found (nicht gefunden)" oder „not connected". Na, wie toll!
Besteht die Verbindung jedoch, kann man zaghaft einen CQ-Ruf absetzen. Und wenn man ganz großes Glück hat, kommt eine Antwort. Aber nur vielleicht, in 95 von 100 Fällen kommt nämlich keine. Man kann dann die Sendetaste drücken, das Lattenkreuz „#" eingeben, woraufhin die Antwort kommt „301572 - disconnected" oder wieder in Deutsch: „Die Verbindung wurde getrennt". Natürlich kann man es dann nochmal versuchen, doch spätestens nach fünf Durchgängen hat man evtl. den Unmut anderer Funkamteure auf sich gezogen, die das Relais „normal" benutzen wollen. Hier hilft auch nicht die vornehme Empfehlung, Echolink doch nachts auszuüben. Wer ist dann, bitte sehr, noch am Funkgerät? - Übrigens kann man über eine Software Echolink auch über den normalen PC abwickeln, ohne dass ein Funkgerät benutzt wird.

Dies bedeutet, dass auf eine bestimmte Eingabe hin ein verbaler Hinweis kommen sollte, das der Echolink gerade ausgeschaltet ist oder das Relais nicht für Echolink eingerichtet ist. Letzteres lässt sich übrigens durch Betätigen der Sendetaste bzw. PTT und Eingabe eines Lattenkreuzes feststellen. Kommt vom Relais keinerlei Reaktion, bzw. es bleibt stumm, verfügt es nicht über Echolink; andernfalls ist zu hören „Not connected"!
Wer zuviel Zeit hat, kann das ganze Spielchen z. B. mal bei österreichischen Relais - wie dem Patscherkofel bei Innsbruck - versuchen. Aufgetastet bekommt man es vielleicht, und es ist die herzlich-freundliche Ansage zu hören: „Wo kommst her"? Doch dass sich dort ein Funkpartner meldet, käme einem Glückstreffer im Lotto gleich; selbst in der normalen Betriebsart FM ist es ja schon schwierig, dass dort mal jemand anzutreffen ist oder auf einen CQ-Ruf antwortet. Fast Null Aktivität und warum? Weil digitale Betriebsarten von vielen Funkamateuren abgelehnt werden und einige auch zu bequem sind (um nicht zu sagen faul) mal zu antworten. Fazit: Diese Betriebsart ist digitaler Müll und gehört abgeschafft. Es ist wesentlich komfortabler, in D-Star, C4FM oder DMR zu arbeiten, weil die entsprechenden Relais - besser Digipeater - speziell für digitalen Fernfunk eingerichtet sind und hier eher (aber auch nicht immer) mehr Aktivität besteht.
Immer wieder wird auch betont, dass Amateurfunk nun mal ein „experimentieller Funkdienst" sei. Klar, das ist er auch. Doch was nützt dies alles, wenn niemand da ist, niemand antwortet und bloß lakonisch sagt: „Das mache ich nicht"? Das Handicap des „experimentiellen Funkdienstes" ist nämlich der, dass eine technische Einrichtung nicht unbedingt dauerhaft, oder auch gar nicht zur Verfügung stehen muss. Und hier liegt wieder ein Problem. Der unbedarfte Funkamateur wird krampfhaft den Fehler bei sich oder seinem Gerät suchen und nicht vermuten, dass gerade der Echolink abgeschaltet ist, weil z. B. gerade in einem Rundspruch der Wetterbericht ausgesendet wird!

Verbesserungsvorschläge für Echolink:

  1. Eine Stellung „Echolink" nach dem Drücken der Funktionstaste im Display
  2. Eine Anwahl dieses Feldes (ideal wäre ein Touchscreen wie beim Smartphone) öffnet die Liste der Echolink fähigen Relais, die man natürlich einmalig eingeben muss.
  3. Diese Liste sollte wenigstens 30 Einträge mit NAMEN der Relais enthalten (scrollen z. B. durch Drehen des Abstimmknopfs). Über dieser Liste ein Feld zur Direkteingabe der Node-Nummer, wenn sie bekannt ist.
  4. Ein Druck des Enter-Knopfes auf dem ausgewählten Relaisnamen betätigt die PTT und spielt die Tonfolge der Node-Nummer ab, wonach die PTT wieder auf Empfang umschaltet.

Skizze oben links und ausführliche Beschreibung der Echolink-Technik: https://de.wikipedia.org/wiki/Echolink

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